Kein Pardon für Unfallgaffer

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Was in den Köpfen von Unfallvoyeuren vor sich geht, die eine Unfallstelle in aller Ruhe ablichten und das Rettungsgeschehen mitfilmen, kann kein gesunder Geist nachvollziehen. Jetzt schlägt die Polizei zurück und bittet die Handyfilmer ordentlich zur Kasse. Und auch andere Gegenmaßnahmen, wie z.B. Sichtschutzwände werden ab sofort an vielen Unfallorten installiert.

Kranker Unfall-Voyeurismus

Verstehen muss man es nicht, das Filmen von Rettungsmaßnahmen durch sogenannte „Gaffer“. Heutzutage ist es auch sehr einfach. Smartphone raus und draufgehalten. Wenige Minuten später ist das Material bereits in den sozialen Medien im Umlauf. „Soziale Inkompetenz in ihrer fiesesten Form“, äußert sich dazu ein verärgerter Beteiligter.

Beispiel 1: ein 31-jähriger Autofahrer aus dem Landkreis Kehlheim wird am Steuer ohnmächtig und rammt mehrere Autos eines Stauendes auf der A93. Und, als ob das nicht schon tragisch genug ist, wird er bei der anschließenden Rettungsaktion von einem 24-jährigen Münchner - während dessen Vorbeifahrt an dem Unfallgeschehen - mit dem Handy ausgiebigst gefilmt. Gegen den Münchner wurde deshalb eine Ordnungswidrigkeitenanzeige erstattet.

Beispiel 2: Oder der Fall eines 14-jährigen Jungen, der in Mainburg bei einem Unfall ums Leben kam. Auch hier hatten sich einige Schaulustige binnen Minuten vor Ort versammelt und filmten die Rettungsmaßnahmen mit ihren Handys. Da die Gaffer sich kaum zurückdrängen ließen, wurden Platzverweise ausgesprochen, damit der Rettungshubschrauber überhaupt landen konnte.

In einem anderen Fall musste ein Gaffer sogar vorübergehend in ein Polizeiauto eingesperrt werden, da er sich nicht von der Unfallstelle entfernen ließ! Dabei werden immer mehr Unfallszenarien auf die sozialen Netzwerke, wie z.B. Facebook hochgeladen. Das kann allerdings zu ernsthaften rechtlichen Folgen für die Eigentümer der Accounts führen, da hier massiv die Persönlichkeitsrechte der Opfer verletzt werden.

Die Polizei schlägt zurück

Bislang wurden die Handyvoyeure nur vereinzelt strafrechtlich verfolgt, aber das wird sich in absehbarer Zeit ändern. Denn in Zukunft werden viele Unfallstellen von der Polizei mit Kameras überwacht, die Handy-Gaffer am Unfallort mitfilmen und über die Halterdaten der Fahrzeuge und einen Bildabgleich die Schaulustigen ermitteln. Den Ermittelten drohen dann mindestens 60 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.


Härtere Strafen gegen Gaffer Quelle: Polizei DortmundAuf der Gegenfahrtbahn wird unverblümt geknipst.

Bereits seit Mai liegt dem Bundesrat ein Gesetzesentwurf vor, der das Gaffen härter bestrafen soll. Derzeit ist Gaffen eine Ordnungswidrigkeit und es droht ein Bußgeld bis zu 1000 €. Die Gesetzesverschärfung soll noch rigoroser durchgreifen. Denn die Unfallvoyeure behindern mit ihrem Verhalten die Rettungs- und Einsatzkräfte. Dieser Bestand stellt eine Straftat dar und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren sanktioniert werden. Gleiches gilt für unterlassene Hilfeleistung. Denn: Wer einen Unfall im Straßenverkehr beobachtet, ist verpflichtet, zu helfen.

Die Polizei Dortmund nahm Unfallgaffer nach einem Verkehrsunfall auf der A44 ins Visier. Ganze 25 Mal fotografierten die Polizeibeamten Auto- und Lkw-Fahrer, die ihre Smartphones aus dem Fenster hielten, um auf der Gegenfahrbahn einen Unfall abzulichten - und dabei nicht mehr auf die Straße schauten. Ein Autofahrer kam dabei nach links von der Fahrbahn ab und fuhr in die Leitplanken. Noch vor Ort musste er 115 Euro Sicherheitsleistung bezahlen.

   Das kosten die einzelnen Vergehen:

     • Gaffen als Ordnungswidrigkeit: Bußgeld von 20 bis 1000 Euro

     • Behinderung der Rettungskräfte durch Befahren des Seitenstreifens auf der Autobahn: Bußgeld von 20 Euro

     • Behinderung der Rettungskräfte durch Parken auf dem Seitenstreifen der Autobahn: Bußgeld von 25 Euro

     • Unterlassene Hilfeleistung: Straftat! Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe

     • Fotos oder Filme von einem Unfall machen: Straftat! Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe


NRW schafft mobile Sichtschutzwände gegen "Gaffer" an

Quelle: Straßen.NRWSichtschutzwände sollen Gaffer abhalten, einen Blick zu erhaschen.Nicht nur Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger findet die Situation „unerträglich“, auch NRW-Verkehrsminister Michael Groschek teilte dessen Einschätzung, als es um die Anschaffung von Sichtschutzwänden zur Absicherung der Unfallstellen ging. Aus Bundesmitteln wurde ca. eine halbe Million Euro vom Landesbetrieb Straßen.NRW in insgesamt zwölf Sichtschutzsysteme investiert, die jeweils aus einem Anhänger mit 40 einzelnen Stahlrahmen (aufgestellt jeweils 2,5 Meter lang und 2,1 Meter hoch) bestehen. In den einzelnen Stahlrahmen sind grüne, blickdichte Folien verspannt, die Gaffer effektiv vom Unfallgeschehen abtrennen und eine konzentrierte Arbeit der Rettungskräfte garantieren sollen. Zusammen ergeben diese Elemente einen gesicherten Abschnitt von 100 Metern Länge.

Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden sind mobile Sichtschutzzäune heutzutage bereits ein gewohnter Anblick. Durch den Wettbewerb "Gute Ideen gegen den Stau" bei Straßen.NRW fand das Projekt seinen Weg auch nach NRW. Bei dem einjährigen Pilotprojekt im Zuständigkeitsbereich der Autobahnmeisterei Kaarst fuhr der Verkehr wesentlich flüssiger am Unfallgeschehen vorbei, da die Autofahrer nicht mehr abgelenkt wurden.

Zudem bauten sich entstandene Staus nach dem Errichten der Wände schneller wieder ab. Ein weiterer psychologischer Effekt stellte sich außerdem noch ein: Polizei-, Rettungs- und Bergungskräfte fühlten sich sicherer hinter dem Sichtschutz.


Fazit

In den Zeiten von Facebook, Twitter und Co. ist es schon fast an der Tagesordnung, Unfallvideos auf die sozialen Plattformen hochzuladen. Das ist nicht nur unverständlich, verstörend und dumm, sondern auch ein strafrechtliches Vergehen. Und das ist gut so, denn auch Gaffer, die als Unfallopfer auf der anderen Seite des Sichtschutzes landen, sind dankbar für jede Hilfe, die ohne Verzögerung durch Handyvoyeure geleistet werden kann. Also - nachdenken, das Handy wieder wegpacken und zügig am Unfallort vorbeifahren. Die Unfallbeteiligten werden es ihnen danken.

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