Reifen: Wechsel oder einfach durchfahren?

Geschrieben von Arthur Makiela. Veröffentlicht in Nachrüstung & Zubehör

Quelle: AUTOFAHRERSEITE.EUQuelle: AUTOFAHRERSEITE.EU

Der regelmäßige Wechsel von Sommer- auf Winterreifen und umgekehrt; für nicht wenige Autofahrer ein lästiges, wiederkehrendes Übel. So mancher Autofahrer schiebt den Kauf des nächsten Reifensatzes daher schlichtweg auf und fährt einfach noch ein bisschen weiter durch, gerne auch ein ganzes Jahr. Doch das ist keine kluge Idee, die mit zahlreichen Sicherheitsrisiken verbunden ist.

Spezifische Reifen für spezifische Zeiten

Warum die Reifen im Herbst und Frühjahr unbedingt wechseln? Man kann mit beiden Bereifungen gut fahren, werden sich einige Kraftfahrzeugführer denken. Falsch gedacht. Weder sollte man im Sommer mit Winterreifen unterwegs sein, noch mit Sommerreifen durch den Winter fahren! Quelle: DVR

Der Grund ist einfach: Beide Reifentypen sind gezielt auf die unterschiedlichen Bedingungen getrimmt, die den Verkehrsteilnehmer zu den unterschiedlichen Jahreszeiten erwarten. Dadurch reagieren die Reifen in ihrer jeweils zugedachten Umgebung perfekt. Zu der jeweils entgegengesetzten Jahreszeit hingegen tun sich für die beiden Reifenarten jedoch gewaltige Sicherheitslücken auf.

Sommerprofile im Winter

Sommerreifen sind mit ihrer relativ harten Gummimischung und ihrem breiten Profil für warme Gezeiten und regennasse Straßen perfektioniert. Wenn sie bei winterlichen Verhältnissen auf glatter oder verschneiter Fahrbahn zum Einsatz kommen, hat dies einen merkbar längeren Bremsweg zur Folge. Continental testete das Bremsverhalten von Reifen bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen. Das Ergebnis der Messung ist eindeutig (siehe Grafik). Wer mit Sommerbereifung bei winterlichen Bedingungen fährt, gefährdet sich und andere Verkehrsteilnehmer. Denn: Der Bremsweg auf Schnee ist doppelt so lang wie der eines Winterreifens. Auf Eis ist der Bremsweg zehn Meter weiter im Vergleich.

Quelle: ContinentalEine Gefahr: Mit Sommerreifen benötigt man auf Schenee den doppelten Weg bis zum Stillstand.

Außerdem kommt ein herber Kontrollverlust dazu, da die harte Reifenmischung den Wagen wie ein Bobbycar über die glatte Straße rutschen lässt. Deswegen gibt es in Deutschland auch eine situative Winterreifenpflicht.

Bußgelder drohen

In der Version der Straßenverkehrsordnung aus 2010 wird genau beschrieben, was unter "winterlichen Wetterverhältnissen" zu verstehen ist: Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Neu ist auch, dass erstmals auf den Begriff des M+S-Reifens - nach § 2 Abs. 3a StVO in europäischen Richtlinien definiert - abgestellt wird.

In Deutschland und Österreich besteht Winterreifenpflicht. In Österreich gilt im vorgegebenen Zeitraum vom 1. November bis 15. April die pflichtgemäße Nutzung der winterlichen Bereifung. Bei Missachtung drohen Strafen ab 35 Euro – im Unfall sogar bis zu 5000 Euro.

In Deutschland ist ein klar gestaffelter Bußgeldkatalog für die Vergehen gegen die Winterreifenpflicht. Ein Fahrverbot wird nicht in diesem Zusammenhang verhängt:

 VerstoßBußgeldPunkte
Fahren mit Sommerreifen
60 € 1
... mit Behinderung
80 € 1
... mit Gefährdung
100 € 1
... mit Unfall
120 € 1
keine Mindestprofiltiefe (1,6 mm)
60 € 1

Winterprofile im Sommer

Aus wirtschaftlichem Interesse Winterreifen über den Sommer hinweg zu benutzen, ist ebenfalls alles andere als clever. Ihre weiche Gummimischung und die Lamellen (Profileinschnitte, die im Winter für den „Verzahnungseffekt“ mit der Straße sorgen) lassen sie bei hohen Temperaturen instabil werden. Zudem steigt die Verschleißgeschwindigkeit massiv an, was einen ansteigenden Kraftstoffverbrauch zur Folge hat.

Winterreifen im Sommer zu benutzen heißt:

• Längere Bremswege

• Erhöhter Kraftstoffverbrauch

• Schnellerer Reifenverscheiß

• Stabilitäts- und Kontrollverlust

Da die Bremswege von Winterreifen im Sommer deutlich länger sind als die von Sommerreifen, geht man ein unnötiges Risiko ein, wenn man beschließt, einfach mit ihnen durch das Jahr zu fahren. Hinzu kommt, dass Winterreifen im Sommer schnell an ihre Belastungsgrenze stoßen, da sie für weit geringere Höchstgeschwindigkeiten ausgelegt sind als Sommerreifen.

Ganz wichtig: Entgegen anderen Vorstellungen stellen Ganzjahres-, bzw. Allwetterreifen keine rundum sichere Alternative zu Winter- und Sommerreifen dar.

Vielmehr handelt es sich bei Ihnen um einen mittelmäßigen Kompromiss, dessen Leistungsvermögen weit hinter Sommer- und Winterreifen zurückbleibt. Im Grunde ist ein Allwetterreifen lediglich ein Winterreifen, dessen speziellen Eigenschaften herunterreduziert wurden, damit er auch für warme Temperaturen geeignet ist. Da Winter- als auch Sommerreifen jedoch extrem ausgefeilt sind, ist es eine Tatsache, dass ihre grundlegenden Eigenschaften technisch nicht kompatibel sind.

Und ganz nebenbei ist das Fahren mit Ganzjahresreifen sogar noch teurer als mit Sommerreifen, da sie mehr Sprit verbrauchen und sich schneller abreiben.

Fazit:

Wer glaubt, sich viel Mühe, Zeit und Geld zu sparen, indem er auf regelmäßige Reifenwechsel verzichtet, geht ein enormes Risiko ein. Man setzt sich und andere Verkehrsteilnehmer nicht nur einem erhöhten Risiko aus, sondern bezahlt höchstwahrscheinlich noch weit mehr Geld für Sprit als üblich, da der Verbrauch von Allwetter- oder gänzlich falschen Reifen weit höher ist.

Tun Sie deswegen Ihrer Brieftasche, den anderen Autofahrern und vor allem sich selbst den Gefallen und sparen Sie nicht am falschen Ende – wechseln Sie regelmäßig Ihren Reifensatz aus! Denn Ihr Auto fährt sich nur so gut wie seine Bereifung.

Übrigens… eine Werkstatt, der Sie mit gutem Gefühl Ihr Auto anvertrauen können, finden Sie bei uns in der Werkstattsuche

Haben Sie Fragen oder suchen Sie Antworten zu Themen, dann schicken Sie uns Ihre Fragen rund ums Autofahren! Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  

Fotos dieses Artikels:
Quelle: DVR; AUTOFAHRERSEITE.EU


      Verwandte Artikel: