Schäden in der Waschstraße: Wer haftet?

Geschrieben von mw. Veröffentlicht in Allgemein

Viele Autofahrer kennen das: Bei der Wäsche in der Waschanlage entstehen Schäden an Cabrio-Dächern, feine Kratzer im Lack, Macken an den Rädern und teilweise passieren sogar "Auffahrunfälle“ auf dem Transportband. In diesen fällen ist der Ärger nach dem Waschgang groß und von den Angestellten der Waschanlage erntet man oft genug nur ein Schulterzucken. Wie sollte man bei Waschanlagenschäden reagieren?  

Quelle: WashTecSchäden werden oft erst spät bemerkt

 Wenn der Wagen aus der Wäsche kommt, erwarten wir als Kunden ein blitzsauberes Auto, das glänzt, als hätten wir es selber poliert. Aber oftmals folgt auf den ersten guten Eindruck eine böse Überraschung. Dabei reicht die Bandbreite von Problemen von kleinen Dellen über Kratzer, abgerissene Applikationen bis hin zu Auffahrschäden. Ärgerlich ist es, wenn der Schaden erst Zuhause ins Auge fällt, denn dann fällt die Beweisführung schwer.

Laut einer Nachfrage der WAZ bei dem ADAC-Rechtsexperten Klaus Heimgärtner muss zunächst glaubhaft deutlich belegt werden, dass der Schaden vor der Einfahrt in die Waschanlage noch nicht bestand. Dazu können Zeugenaussagen von der Familie und Freunden genauso dienlich sein, wie Vorher-Nachher Fotos. Gelingt diese Bweisführung und kann der Geschädigte den Schadenshergang belegen, dann muss der Betreiber diese Beweise widerlegen. In diesem Fall werden jedoch meistens die Gerichte tätig, denn über entstandene Schäden in der Waschstraße besteht oftmals Uneinigkeit.

Quelle: U. Kröner / GTÜ

Auffahrunfall wird zum Rechtsstreit

Wie weit die Streitigkeiten bei Schäden durch Waschanlagen reichen, zeigt dieser Fall: In einer Waschanlage mit Transportband sollte der Wagen einer Kundin gewaschen werden. Allerdings blieb kurz vor der Ausfahrt der Waschstraße ein Auto stecken. Das Förderband der Anlage schob nun den Wagen der Kundin auf dieses auf. Auch das mehrfache Hupen der im Wagen befindlichen Besitzerin half nicht und auch das Personal der Anlage kam nicht zu Hilfe. Die Kundin verklagte den Betreiber der Waschanlage auf ca. 1.100 Euro Schadensersatz. Allerdings weigerten der Betreiber und dessen Versicherung sich, den Betrag zu zahlen.

Das Landgericht Paderborn entschied dazu, dass der Betreiber Schadenersatz leisten muss und die Klägerin einen Anspruch auf Schadensersatz aus § 280 Abs. 1 BGB i.V.m. § 631 BGB habe. Sinngemäß wurde festgehalten, dass der Schaden durch den automatisierten Waschvorgang verursacht wurde und die Ursache in den Verantwortungsbereich des Betreibers fällt. Denn laut der Rechtsprechung muss der Betreiber sicherstellen, dass ein Fahrzeug, welches den Kontakt zur Schleppanlage verloren hat, nicht zur Gefahr für nachfolgende Fahrzeuge wird.

Eine sofortige Abschaltung des Transportbandes müsse entweder durch technische Mittel wie Sensoren und Lichtschranken oder durch eine umfassende Kameraüberwachung und das Einschreiten des Personals sichergestellt werden.

Was tun nach einem Schadensfall?

Quelle: Aral

Nach jeder Autowäsche sollte man sein Fahrzeug umgehend überprüfen. Sind bei der Wäsche Schäden entstanden, müssen folgende Schritte eingeleitet werden:

  1. Entstandene Schäden durch Fotos dokumentieren und Zeugen des Vorfalles ausfindig machen.
  2. Andere Kunden der Anlage ansprechen und hinterfragen, ob an ihren Fahrzeugen auch Schäden entstanden sind. Die Personalien der Kunden und die evtl. entstandenen Schäden sollten ebenfalls festgehalten bzw. dokumentiert werden.
  3. Das Personal und den Betreiber kontaktieren und den Sachverhalt schildern. Der Wagen sollte dabei auf dem Betriebsgelände der Anlage bleiben.
  4. Bei größeren Schäden kann es sich lohnen, einen Ansprechpartner bei Ihrer freien Werkstatt oder einen  Kfz- Sachverständigen zu kontaktieren und die Schäden fotografisch und schriftlich festzuhalten. Diese Schritte sollten auf jeden Fall erfolgen, falls der Betreiber sich unkooperativ verhält.
  5. Sollte der Betreiber sich weiterhin standhaft weigern die Schäden zu übernehmen, macht bei größeren Schäden das Hinzuziehen eines Gutachters Sinn. Informieren Sie sich vor der Beauftragung bei Ihrer Rechtsschutzversicherung. Sollten vorprozessliche Kosten durch Ihre Police nicht abgedeckt sein, können diese durch eine spätere Rechtsprechung im Sinne des Autofahrers auf den Anlagenbetreiber übertragen werden.
  6. Wägen Sie Kosten und Nutzen eines Rechtsstreites ab. Informieren Sie sich dazu über ähnliche Fallbeispiele und fällen Sie dann ihre Entscheidung über die weitere Vorgehensweise.

Fazit

Wenn Sie Zeit und Nerven sparen wollen, dokumentieren Sie die Schäden, sprechen Sie Zeugen an und informieren Sie das Personal. Kontaktieren Sie den Betreiber und schildern Sie den Hergang. Sollte allerdings keine Gesprächsbereitschaft signalisiert werden, leiten Sie weitere Schritte ein. Eine einheitliche Rechtsprechung existiert nur in Ansätzen, allerdings wurden viele Präzedenzfälle verhandelt. Vergleichen Sie ähnliche Fälle mit Ihrem Schadenshergang und treffen Sie auf Grundlage der gängigen Rechtsprechung Ihre Entscheidung über die folgenden Schritte.

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Unter Mitarbeit von Rechtsanwalt Sebastian Trost / Ralf Galow

Fotos dieses Artikels:
Quelle: U. Kröner / GTÜ; Aral; WashTec

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