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Telematik Tarife - Geld sparen durch Online Auto- Überwachung?

Veröffentlicht in Finanzen

Quelle: AXA Konzern AGQuelle: AXA Konzern AG

Immer mehr Autofahrer denken über einen sogenannten Telematik-Tarif Ihrer Versicherung nach. Gibt es Gefahren und Risiken für den Autofahrer, kann man damit wirklich Geld sparen und wie funktioniert das genau?

Der Begriff Telematik setzt sich aus den Begriffen "Telekommunikation“ und "Informatik“ zusammen. Laut Duden ist Telematik entweder ein Forschungsbereich, in dem man sich mit der wechselseitigen Beeinflussung und Verflechtung verschiedener nachrichtentechnischer Disziplinen befasst oder der Einsatz von Mitteln der Telekommunikation für bestimmte Zwecke. Die Automobil-Industrie versteht darunter allerdings etwas anderes. Und zwar einen völlig neuen Markt, der durch die Auswertung gesammelter fahrzeug- und personenbezogener Daten befeuert wird und dessen Auswirkungen von der personalisierten E-Mail über Marketing- und Werbemaßnahmen bis zur Erstellung eines Profils des Pkw- Benutzers reicht.

Und was ist ein Telematik Tarif?

Nichts anderes als ein personalisierter Tarif, der auf den Auswertungen unserer persönlichen Fahrdaten basiert. Dabei setzen die Anbieter für die Einordnung des Autofahrers in die entsprechenden Rabattmodelle einen möglichst gleichmäßigen, bedächtigen Fahrstil mit wenig gefahrenen Kilometern und langsamen Anfahr- und Bremsvorgängen voraus. Um den Fahrstil zu überwachen wird eine sogenante Telematik-Box im Auto installiert dabei handelt es sich um einen Fahrtenschreiber (auch Blackbox genannt), der die gesammelten Daten kabellos an den Versicherer weitergibt. Welche Daten genau erhoben werden und wie sie ausgewertet werden, bleibt für den Konsumenten dabei im Verborgenen. Erst wenn der Fahrstil den Vorstellungen der Versicherer entspricht, gibt es Ermäßigungen auf den Versicherungsbeitrag.

Gibt es so etwas schon?

Zur Zeit (Stand Oktober 2018) bieten unseren Informationen zufolge 11 Versicherer ihren Kunden in Deutschland einen Telematik-Tarif an. Auch, wenn diese Zahl vor einigen Jahren noch größer war, haben diese Versicherer einen enormen Marktanteil. Dabei reicht die Palette von der S-Direkt, Signal Iduna, VHV, AXA bis zur Admiral Direkt. Die Nachfrage ist anscheinend vorhanden: Ein Anfang 2014 angebotener Tarif der Sparkassen Direkt Versicherung AG in limitierter Anzahl von 1.000 Policen war bereits Ende Juli ausverkauft. Bis zu fünf Prozent Ersparnis können bei diesem Tarif durch entsprechende Fahrweise erwirtschaftet werden.

Seit Oktober 2015 bietet die Hannover´sche VHV Versicherung 10.000 Versicherten einen Telematik-Tarif an, bei dem per Black Box das Fahrverhalten an die Versicherung übermittelt wird. Mit dem Telematik-Tarif „Telematik-Garant“ sind bis zu 30 % der Versicherungsprämie einsparbar, die Box kostet hier 84 Euro im Jahr. Neben Brems-, Beschleunigungs- und Kurvenverhalten werden auch Parameter wie Streckenlänge und Dauer der Fahrtzeit, Straßentyp und Tageszeit festgehalten und gesammelt. Speziell für Fahrer unter 26 Jahren stellt die AXA, drittgrößter Kfz-Versicherer seit Oktober 2015 einen Telematik Tarif bereit. Je nach Auswertung von Fahrdaten wie Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bremsen und Kurvenfahren können hierbei bis zu 15 % der Beiträge eingespart werden.

Auch die Admiral Direkt bietet einen Telematik-Tarif an, der allerdings zusätzliche Parameter wie Bevölkerungsdichte und regionales Verkehrsaufkommen in die Berechnung miteinbezieht. Greifen alle positiven Richtwerte zusammen, können bis zu 20 % Ersparnis erwirkt werden. Für Autofahrer unter 30 Jahre gibt es einen speziellen Telematik-Tarif von der Signal-Iduna-Tochterfirma Sijox. Hier winken 15 % Ersparnis zum üblichen Tarif, aber nur, wenn man zusätzlich in den Auto- und Reiseclub Deutschland eintritt. Sollte man sich dagegen entscheiden, werden nur 5 % gewährt, die allerdings mit weiteren 25 % durch ein sehr gutes Fahrverhalten aufgestockt werden können. Somit sind bis zu 40 % Ersparnis möglich. Die benötigte Box ist hier kostenlos.

Die Versicherungsriesen Huk-Coburg und Allianz bieten seit 2016 einen Telematik-Tarif anbieten. Auch die Generali sowie die Itzehoer Versicherung prüfen die Umsetzung eigener Tarife. Die Deutsche Telekom lässt sich das Geschäft natürlich nicht durch die Finger gehen und bietet - in der Erwartung einer halben Million fahrstilabhängiger Autoversicherungsverträgen - den Versicherungen eine Telematik-Plattform an. Man sieht, Akzeptanz ist vorhanden und dem Autofahrer soll das vermeintliche Einsparpotenzial nahegebracht werden. Aber es gibt technische wie auch monetäre Unterschiede in der Welt der Online- Anbindungen des Kfz.

Lohnt sich ein Tarifwechsel überhaupt?

Das kommt auf den Einzelfall an, sicherlich kann man hier und da zunächst den ein- oder anderen Euro einsparen, aber der Schein kann auch trügen. Zum Beispiel gibt es beim Telematik-Tarif von S-Direkt noch Verbesserungspotenzial. Bei diesem Tarif werden alle Daten dem Fahrzeughalter zugeschrieben. Das heißt, sollte also statt des gesetztem, gesetzeskonformen Alltagsfahrers von Zeit zu Zeit der motorsportbegeisterte Sohnemann mit Bleifuß über den Asphalt fegen, wird das in absehbarer Zeit den persönlichen Versicherungsbeitrag gewaltig steigen lassen. Und es besteht sogar das Risiko, dass die Police gekündigt wird, wenn der Fahrstil nicht den Wünschen der Versicherung entspricht.

Dazu kommen in vielen Fällen noch zusätzlich anfallenden Kosten für die Anschaffung und den Einbau einer Blackbox. Oftmals ist bei einem Versicherungs- oder Tarifwechsel mehr Einsparpotenzial vorhanden, als durch den Einstieg in einen Telematik Tarif. Und persönliche Bewegungsmuster und Fahrdaten dazu auch nicht gesammelt werden.

Fazit

Unfertig, unausgegoren und autofahrerunfreundlich. Bis konkrete Gesetzgebungen im Datenschutz greifen und standardisierte Technikmodelle angeboten werden, die nicht nur den Vertragswerkstätten und den Versicherern in die Taschen spielen, sollte der Autofahrer die Entwicklung abwarten und Alternativen erwägen. Sicherlich ist es wichtig und sinnvoll, per eCall nach einem Unfall wertvolle Zeit sparen und Leben effektiv retten zu können. Was aber ein Diskussionsthema sein muss, ist der gläserne Bürger. Denn immer mehr personenbezogene Daten gelangen in falsche Hände. Und welcher Autofahrer würde es gutheissen, wenn seine Fahrmanöver überwacht werden und beobachtet wird, wann er wohin fährt. Auch steht zu befürchten, dass die erfaten Daten irgendwann in die Hände eines aufmerksamen Ordnungshüters oder von Autodieben gelangen. Daher sind Telematiktarife für ein absolutes NO-GO!

Übrigens… eine Werkstatt, der Sie mit gutem Gefühl Ihr Auto anvertrauen können, finden Sie bei uns in der Werkstattsuche

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