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Reifentechnologie: Löwenzahn auf dem Vormarsch

Veröffentlicht in Tipps & Trends

Quelle: ContinentalQuelle: Continental

Ohne Kautschuk und Co. läuft in der Reifenherstellung recht wenig. Denn das Produkt wird in seiner natürlichen Form immer noch in der Reifenherstellung verwendet. Nun besinnt man sich auf Techniken, die bereits in der Vergangenheit schon einmal angedacht wurden. Die Gewinnung von Kautschuk aus Löwenzahn...

Woraus bestehen Reifen normalerweise?

Je nach Anforderung an den Reifen (Winter/Sommerreifen, Straßen/Geländereifen u.ä.) variieren die Mischungen der Hersteller - wobei Erdöl, Rapsöl und Naturkautschuk wesentliche Bestandteile der Reifen sind.

Für die Herstellung eines 195/65 R 15 ContiEcoContact CP braucht man z.B. folgende Materialien:

38%    Kautschukmischung (Natur- und Synthesekautschuk)
30%    Füllstoffe wie Ruß, Silica, Kohlenstoff, Kreide etc.
16%    Festigkeitsträger (Stahl, Rayon, Nylon)
10%    Weichmacher (Öle und Harze)
4%      Chemikalien für die Vulkanisation (Zinkoxid, Schwefel, etc.)
1%      Sonstiges
1%      Alterungsschutzmittel (Chemikalien gg. Ozoneinwirkung und Materialermüdung)

Wie ist die Situation für die Reifenhersteller am Markt?

Naturkautschuk ist für die Reifenproduktion unverzichtbar und wird bislang ausschließlich aus Kautschukbäumen gewonnen. Da Kautschukbäume aber nur in tropischem Klima gedeihen, sind lange Transportwege zu den europäischen Reifenherstellern die Folge. Das ist aber nur eines der Nachteile bei der traditionellen Reifenherstellung, weitere unberechenbare Risiken für die Reifenhersteller stellen z.B. auch Missernten und politische Krisen in den Herstellungsländern dar.

Deshalb befinden sich Europas Reifenhersteller in Zugzwang, denn die asiatische Konkurrenz hat klare Wettbewerbsvorteile, wie z.B. kürzere Transportwege für die Rohstoffe zu den Verarbeitungsstätten und niedrigere Löhne der Angestellten. Um Alternativen zu den althergebrachten Herstellungsprozessen zu finden, suchte man intensiv nach Alternativen und fand sie in Europa.

Foto/Quelle: Continental

Löwenzahn als Kautschuklieferant

Nicht nur der Kautschukbaum, sondern auch der Löwenzahn gehört zu der Familie der Pflanzen, die einen weißlichen Milchsaft mit Kautschukanteil produzieren können. Im Löwenzahn-Milchsaft sind, ähnlich dem Milchsaft des Kautschukbaums, auch Gummipartikel enthalten und man kann pro Löwenzahnwurzel etwa 1 Milliliter Kautschuk gewinnen. Die Weiterverarbeitung des Löwenzahn-Kautschuk ist weitgehend identisch mit dem Prozess bei dem vom Baum gewonnenen Grundstoff.

Dabei ist die „Kautschukgewinnung aus der Löwenzahnwurzel ist deutlich wetterunabhängiger möglich und eignet sich daher insbesondere für heute brachliegende Anbauflächen in Europa", so Nikolai Setzer, Leiter der Continental Reifen Division, und erklärt weiterhin: "Anders als beim Kautschukbaum ist eine Ernte mehrmals im Jahr möglich“. Die Idee der heimischen Kautschukgewinnung ist bereits preisgekrönt: Bei den GreenTec Awards in Münster landete die zukunftsweisende Technologie bereits 2014 unter den Top 3.

Projekt „Kautschuk aus Löwenzahn“ ausgezeichnet

Laut Reifenhersteller Continental wurde die Kooperation der Münsteraner Biologen der WWU Münster und Continental mit dem begehrten Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2015 belohnt. Dabei arbeiten im Projekt „RUBIN – Industrialisierung von Kautschuk aus Löwenzahn“, das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und angewandte Oekologie (IME), Außenstelle Münster, das Institut für Biologie und Biotechnologie der Pflanzen (IBBP) der WWU Münster und die Division Reifen von Continental in Hannover zusammen an dem zukunftsweisenden Projekt.

Im Beisein von Bundespräsident Joachim Gauck wurde die Auszeichnung an Professor Dirk Prüfer und  Dr. Christian Schulze Gronover (IME und IBBP) sowie Dr. Carla Recker (Continental) übergeben. Das Gemeinschaftsprojekt verläuft bislang sehr erfolgreich und erste Testreifen konnten bereits geprüft werden. Nach heutigem Forschungsstand rechnet Continental mit der Einführung in die Serienproduktion dieser Reifen in ca. fünf bis zehn Jahren.

Welche Vorteile haben Reifen aus Löwenzahnkautschuk?

Natürlich liegen die Vorteile eines solchen Reifens u.a. in der Öko-Bilanz und wer ohnehin schon ein sparsames Fahrzeug aus Umweltgründen fährt, wird auch beim Kauf von Ersatzteilen und Reifen auf eine ökologisch sinnvolle Lösung zurückgreifen. Regionalität ist, wie bei Lebensmitteln auch, ein großes Thema. Dabei könnte Continental ein wichtiger europäischer Vorreiter in Sachen „nachhaltige Produktion“ bei der Reifenherstellung sein.

Kurze Transportwege und eine Nutzung von Brachflächen könnten umfangreich CO² in der Reifenproduktion einsparen. Die Qualität der Reifen aus Löwenzahnkautschuk könnte sich perspektivisch sogar noch verbessern. Sollte die Produktion für die Reifenhersteller dann auch noch Preisvorteile mit sich bringen, stünde der heimischen Kautschukproduktion wohl nichts mehr im Wege. Continental rechnet derzeit mit der Einführung in die Serienproduktion solcher Reifen in fünf bis zehn Jahren.

Fazit

Die Industrie hegt ein reges Interesse an dem robusten Gewächs. Und wenn der Umwelt damit ein Gefallen getan werden kann, macht es die Technologie rund um den Löwenzahn umso interessanter. Allerdings sollte man Acht darauf geben, dass keine Mono-Kulturen entstehen oder gar die Nahrungsmittel-Produktion darunter leidet. Auch darf eine solche Pflanze nicht in die heimische Flora tangieren, denn die Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt sind im Moment noch nicht abzuschätzen. Nichtsdestotrotz - diese neue Technologie muss als Chance gesehen werden.

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